Patriotismus und Loyalität –
Alexander Gauland versteht die AfD

Alexander Gauland hat die öffentliche Kritik von Hans-Olaf Henkel an der AfD zurückgewiesen, dass die AfD „Unvernünftige, Unanständige und Intolerante“ in ihren Reihen habe und Henkel sich für die AfD schäme.

Damit dürfte Gauland der Parteibasis aus dem Herzen gesprochen haben.

Mit seiner Formulierung vom „Markenkern“ der AfD, den es zu definieren gälte, hat Henkel sehr deutlich gemacht, worum es ihm geht: es geht um die grundlegende politische Verortung der AfD.

In der AfD sind viele Führungspositionen schnell von Menschen mit politischer Erfahrung besetzt worden, die in FDP oder CDU politisch sozialisiert worden sind und oft auch entsprechende inhaltliche Positionen vertreten.

An der Parteibasis haben sich nun aber sehr viele Menschen um das blaue Banner der AfD geschart, die eine grundlegende Alternative zur Politik der Altparteien wünschen. Vor diesem Hintergrund kristallisiert sich immer stärker heraus, dass eine breite Mehrheit der AfD-Mitglieder eben nicht in erster Linie uneingeschränkten Freihandel, sondern demokratischen Patriotismus als Markenkern der AfD betrachtet, wie Gauland sehr richtig beobachtet hat.

Inhaltliche Auseinandersetzungen, die auch mit harten Bandagen geführt werden mögen, sind die unumgänglichen Geburtswehen einer basisdemokratischen Bürgerbewegung, denn Basisdemokratie gibt es nicht ohne Diskussionen.

Im Gegensatz zu einem Wirtschaftsunternehmen erfolgt in einer politischen Partei wie der AfD die Willensbildung aber von unten nach oben, und nicht von oben nach unten.

Auf dem Erfurter Bundesparteitag vom 22./23.03.2014 hat die Parteiversammlung sich mit über 80% gegen die Aufnahme von Verhandlungen über das TTIP-Abkommen ausgesprochen. Damals wie heute war der wesentliche Grund für diese Ablehnung die mangelnde Transparenz der Vorverhandlungen und die geplante Aushöhlung der deutschen Souveränität und des Primats der Politik durch die Einrichtung von nicht öffentlichen internationalen Schiedsgerichten.

Dort wurde auch eine Resolution verabschiedet, in der Sanktionen gegen Russland eine Absage erteilt wurde.

Nun steht es jedem Parteimitglied zu, seine Ansichten argumentativ zu verfechten und für seine Person bis zu einem gewissen Grad auch inhaltlichen Dissens zum Parteiprogramm zu formulieren. Es gehört aber auch zu den grundlegenden demokratischen Spielregeln innerhalb einer Partei, den Willen der innerparteilichen Mehrheit zu akzeptieren und Differenzen nicht zum Schaden der Partei nach außen zu tragen.

Gerade vom stellvertretenden Vorsitzenden einer Partei, die heftigen medialen Attacken ausgesetzt ist, muss erwartet werden können, dass er sich vor die Partei stellt, die ihm sein Amt anvertraut hat, statt ihren Gegnern durch öffentliche Kritik an der eigenen Parteibasis willkommenen Anlass zu weiterer Diffamierung zu geben.

Die mittlerweile rund 20.000 AfD-Mitglieder sind in ihrer ganz überwiegenden Mehrheit integer, vernünftig und in hohem Maße engagiert und opferbereit.

Sie haben keine öffentliche Schelte aus den eigenen Reihen verdient.

Hans-Olaf Henkel ist ein integrer und kompetenter Mann, der viel für die AfD getan hat.

Wenn er sich die Worte von Herrn Gauland zu Herzen nimmt und zukünftig beherzigt, dass die Willensbildung in der AfD von unten nach oben nach dem Mehrheitsprinzip erfolgt und eine Führungskraft der AfD loyal gegenüber der Parteibasis sein muss, steht ihm und der AfD noch eine lange und glückliche Beziehung bevor.

Dr. Jan Bollinger, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und Kreistag und Kreisvorsitzender der AfD in Neuwied